Goslar/Braunschweig. Landesbischof Friedrich Weber hat davor gewarnt, die konkrete Gestalt der Kirche überzubewerten. Entscheidend seien nicht die kirchlichen Strukturen, sondern dass die Kirche ein Zeugnis des Glaubens ablege. Die äußere Erscheinung der Kirche sei nachgeordnet und „nicht für unser Heil wichtig", sagte er am Donnerstag, 30. Mai, vor der braunschweigischen Landessynode in Goslar.
„Entscheidend ist hier nur, dass die Organisationsform die Verkündigung des Evangeliums nicht verhindert oder erschwert." Wort und Sakrament seien die Kennzeichen der Kirche, die es zu kommunizieren gelte.
Der Landesbischof warnte auch davor, die Ortsgemeinde für die allein seligmachende Organisationsform zu halten, vor allem in ihrer historisch gewordenen Form: „Kirche entfaltet sich auch auf den Ebenen der Propsteien, der Landeskirche, der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, der Evangelischen Kirche in Deutschland und dem Lutherischen Weltbund." Trotzdem hätten die Gemeinden ein großes Gewicht in der Kirche.
Der Landesbischof rief dazu auf, den gesellschaftlichen Traditionsabbruch in Sachen Kirche als positive Herausforderung zu verstehen und nach neuen Formen des Kircheseins zu suchen. Er skizzierte Ideen, die beim jüngsten Kirchentag in Hamburg diskutiert wurden.
So könne man sich zum Beispiel „pastorale Räume" vorstellen, die aus einem Netzwerk mehrerer Gemeinden und Orten kirchlichen Lebens in einem bestimmten Gebiet bestehen. Dadurch könne eine größere Nachbarschaft in den Blick kommen, in der auch das gesellschaftliche Umfeld einbezogen sein könne.
Weber dankte der niedersächsischen Landesregierung für die geplante Reform der Härtefallkommission. Sie sei ein „großer Erfolg für die Humanität". Dankbar zeigte sich der Landesbischof auch dafür, dass der Reformationstag 2017 in Niedersachsen gesetzlicher Feiertag werden soll. Ärgerlich sei hingegen das erneute Bemühen der FDP-Landtagsfraktion, die Ladenöffnungszeiten an Sonntagen auszuweiten.




