Braunschweig/Hamburg. In diesen Tagen ist die Fußballeuphorie in Deutschland und Europa so groß, dass der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber ihr bisweilen religiöse Züge attestiert. Worte wie „Fußball-Gott" oder „heiliger Rasen" machen die Runde, die Fan-Hymnen in den Stadien erinnern an liturgische Gesänge in Gottesdiensten. In seinem Videoblog für die Evangelische Kirche im NDR stellt das Kirchenoberhaupt klar: „Fußball ist keine Religion!" Sein Kommentar ist im Internet online.
Bischof Weber geht noch einen Schritt weiter und betont, dass Fußball auch keine Ersatzreligion werden dürfe. „Denn in der Religion geht es um die letzten Dinge. Um das, was und im Leben und Sterben Halt und Trost gibt." Im Sport aber gehe es nur um vorletzte Dinge - um Spannung und Unterhaltung.
Es sei wichtig, die Grenzen des Fußballs für unser Lebensglück zu beachten. „Im Sport ist das Glück an den Sieg gebunden. Nur der Stärkere gewinnt", sagt Bischof Weber und fügt hinzu: „Schließlich wissen wir alle, wie oft wir auch mit unseren Schwächen und Niederlagen fertig werden müssen." Der Sport kenne nur Sieger. Die Religion stehe auch der Seite der Verlierer. Gott kommt allen Menschen nahe, den Starken und Schwachen gleichermaßen, sagt der Landesbischof. Allen Menschen wolle er das Lebensglück geben, ohne dass sie Sieger sein müssen.
Auf solche Weise beschenkt, „können wir offen und fair auch gegenüber unseren Gegner sein", so Weber. Toleranz und Fairness im Umgang miteinander gehöre zu den Bedingungen für ein friedliches Miteinander in den europäischen Gesellschaften - im Sport wie in der Politik.




