Herrnhut/Braunschweig (epd). Die Bibelverse für die Herrnhuter Losungen des Jahres 2015 stehen fest. Sie wurden aus einer Glasschale mit 1.100 alttestamentlichen Sprüchen gezogen, teilte die freikirchliche Brüderunität im ostsächsischen Herrnhut mit. An der Ziehung nahm mit dem braunschweigischen Landesbischof Friedrich Weber ausnahmsweise auch ein Gast teil. Weber führt den Vorsitz der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.
Die Losungen gelten als das am weitesten verbreitete Andachtsbuch in Deutschland mit rund einer Million Exemplaren jährlich. Mit seinen Versen und Texten für jeden Tag gehört es zur regelmäßigen Lektüre vieler Christen. Die evangelische Brüdergemeine gibt das Büchlein seit 1731 ohne Unterbrechung heraus. Weber sagte zu den Losungen: "Sie sind für mich ein spiritueller Leitfaden, ein wichtiges Moment meiner eigenen Frömmigkeit."
Über die persönliche Ebene hinaus sehe er auch einen pastoralen Aspekt der Losungen. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer seien auf der Suche nach einer regelmäßigen Form des Innehaltens, so Weber: „Dafür sind die Losungen mit ihrer Konzentration auf das Wort Gottes eine exzellente Praxis." Weber hob auch die ökumenische Seite der Losungen hervor: „Sie sind sicher unterschiedlich bekannt, aber nie unbekannt. Sie sind ein einendes Band der Ökumene."
Für die Zufallsziehung stehen insgesamt über 1.800 Verse des Alten Testaments zur Verfügung. Zur Vermeidung von Wiederholungen kommen aber nicht alle in die unmittelbare Auswahl. Dem gezogenen Losungstext wird dann ein Wort aus dem Neuen Testament sowie ein Liedvers oder ein Gebet zugeordnet. Weltweit erscheinen die Losungen in 55 Sprachen. Eine Tagung beschäftigt sich Mitte Juni in Herrnhut mit der Wirkungsgeschichte des Andachtsbüchleins.




