Hannover (epd). Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hat von der Justiz härtere Strafen für Gewalttäter verlangt. Kriminelle empfänden milde Urteile auf Bewährung oder mit Sozialstunden oft wie einen Freispruch, sagte er in der evangelischen Fernseh-Talkshow "Tacheles", die am 5. März in der Marktkirche in Hannover aufgezeichnet wurde. "Ich habe oft genug gesehen, dass Täter feixend und grinsend aus dem Gerichtssaal gegangen sind", sagte Wendt. "Das hat mit Rechtsfrieden nichts zu tun."
Strafen müssten schnell, hart und angemessen sein, sagte Wendt. Oft stehe jedoch allein die Resozialisierung im Mittelpunkt, kritisierte er: "Wir haben aber ein Strafrecht und kein Resozialisierungsrecht. Strafe als Sanktion muss immer dazu gehören."Wendt sprach sich zudem für deutlich höhere Schmerzensgelder aus, etwa im Fall von Vergewaltigung oder Körperverletzung. Die Opfer müssten zumindest eine materielle Entschädigung erhalten.
Der Braunschweiger evangelische Landesbischof Friedrich Weber dagegen wies die Forderung nach strengeren Urteilen zurück: "Der Ruf nach härteren Strafen ist im Grunde populistisch." Politiker versuchten auf diese Weise oft, die Bevölkerung zu beruhigen. "Sie signalisieren: Wir tun etwas." Wichtig sei, die Opfer im Blick zu behalten: "Der Straftäter muss zum Nachdenken darüber kommen, was er seinen Opfern angetan hat."
Der Kriminologe Professor Helmut Kury bestritt, dass härtere Strafen zu weniger Kriminalität führten. "Wenn eine Strafe von zehn auf 15 Jahre hochgesetzt wird, erreichen wir nichts." In den USA sei sogar das Gegenteil der Fall: In den Staaten, in denen es die Todesstrafe gebe, sei die Rate der Tötungsdelikte weit höher als bei den anderen."
Zur Strafe gehört immer die Rote Karte und die Handreichung", sagte Kury, der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Straftäter brauchten auch ein Angebot, sich zu ändern: "Der Täter muss kapieren, was er getan hat." Wenn er sich entschuldige, gehe es auch den Opfern besser.
Die Talkshow wird am Sonntag (10. März) um 17 Uhr auf Phoenix erstmals ausgestrahlt. Eine emnid-Umfrage für "Tacheles" hatte ergeben, dass 57 Prozent der Deutschen die Justiz für zu milde halten.




