Braunschweig (epd). Der lutherische Ökumene-Experte Friedrich Weber ruft mit Blick auf den Papstbesuch zu Gelassenheit auf. Mit Papst Benedikt XVI. komme ein Gast, "der als Zeuge des Evangeliums zu uns kommt. Wir freuen uns, dass er kommt", sagte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands und braunschweigische Landesbischof dem Evangelischen Pressedienst (epd). Allerdings werde der Besuch "sicherlich keine ungeheuren Akzente in der Ökumene setzen, da darf man sich keine Illusionen machen".
"Wenn man die Messlatte der Erwartungen zu hoch legt, ist der Frust schon vorprogrammiert", warnte Weber. "Das entscheidende Kriterium für gelingende Ökumene ist, dass man Respekt vor dem anderen hat", betonte der 62-Jährige zugleich, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland ist. Weber gehört zudem zur Delegation der evangelischen Kirche, die Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Erfurt am 23. September trifft.
Mit Blick auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 erhoffe er sich von der katholischen Seite mehr als die Einschätzung, die Reformation sei eine Spaltung der abendländischen Christenheit, fügte der evangelische Theologieprofessor hinzu. Als ein Beispiel für konkrete Fortschritte in der Ökumene nannte Weber, dass es "weitergeht mit der wechselseitigen Anerkennung der Taufe. Die Frage ist, welche Folgerungen hieraus für das Verständnis der jeweiligen anderen Kirche gezogen werden könnten".
Zur innerprotestantischen Debatte, ob der Papst in außergewöhnlichen Situationen im Namen der gesamten Christenheit sprechen kann, äußerte sich Weber skeptisch. Theologisch könne die Frage eines Sprechers der Christenheit, "wer auch immer das dann sein wird, nur im Rahmen einer konziliaren Gemeinschaft gleichberechtigter Kirchen angegangen werden." In einer solchen Gemeinschaft wäre es möglich, darüber nachzudenken. Weber: "Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg."
Forderungen nach einer Rehabilitierung des Reformators Martin Luther (1483-1546), der durch Papst Leo X. 1521 exkommuniziert wurde, bezeichnete Weber als unrealistisch. Eine Exkommunikation sei nach katholischem Verständnis eine kirchliche "Beugestrafe", die nur lebende Personen betrifft. Deshalb könne sie im Fall Luther auch nicht aufgehoben werden. Zwar könne man nicht den konkreten Bann gegen Luther aufheben. Man könne aber den Bann auflösen, der nach Luther gewissermaßen über dem Verhältnis zwischen evangelischer und katholischer Kirche liege.




