Braunschweig. Ein neues Buch von Pfarrer i.R. Dietrich Kuessner beschäftigt sich mit den Braunschweiger Stadtkirchen in der Zeit des Nationalsozialismus. Auf 680 Seiten gibt der Autor Einsichten in die kirchliche Arbeit und das gesellschaftliche Leben Braunschweigs zwischen 1933 und 1950. Wie Kuessner betont, werde die Geschichte nicht aus Sicht der Kirchenbehörde sondern der "Kirche von unten" beschrieben. So analysiert er zum Beispiel Predigten, Gebete und Gemeindebriefe aus jener Zeit.
Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass Braunschweig für kurze Zeit (1933/1934) eine Hochburg der Deutschen Christen war, die die nationalsozialistische Politik bedingungslos bejahten. Daneben habe es eine kleine Gruppe der Bekennenden Kirche gegeben, die die deutsch-christliche Politisierung der Kirche ablehnte. Die große Mehrheit jedoch habe sich ab 1935 weder den Deutschen Christen noch der Bekennenden Kirche angeschlossen, sondern wollte eine lutherische Kirche im grundsätzlich bejahten nationalsozialistischen Staat.
Zahlreiche Quellen werden in dem Buch erstmals veröffentlicht; zum Beispiel der Aktenbestand zum Prozess um den damaligen Braunschweiger Landesbischof Wilhelm Beye im März 1934. Landesbischof Weber würdigt das Werk im Vorwort. Er sei dankbar, dass sich Kuessner gegen eine noch immer wirksame Tabuisierung und bewusste Vergessenheit konkreter Geschichte im Braunschweiger Land wende.
Dietrich Kuessner: Ansichten einer versunkenen Stadt – Die Braunschweiger Stadtkirchen 1933-1950. Uwe Krebs Verlag, Wendeburg 2012, 680 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-932030-59-8).




