Braunschweig (epd). Mit ordentlichem Appetit verzehren Schüler Bio-Brötchen vor der Kulisse der Matthäuskirche in Braunschweig. Um sie herum sitzen rund 1.500 weitere Frühstücksgäste an Bierzeltgarnituren. "Bin gespannt, wo die Marmelade herkommt", sagt einer und schaut auf das Etikett. "Ist doch egal. Hauptsache, die ist auch fair", ruft jemand von einem anderen Tisch und prostet der Gruppe mit seinem Kaffeebecher zu. Auch der Kaffee stammt aus fairem Handel, der den Produzenten in Entwicklungsländern ein gerechtes Einkommen sichert. Fair - das ist das Schlagwort, um das sich bei dem großen Picknick alles dreht.
Sowohl Besteck als auch Speisen wurden gestellt. Die Kosten von rund 10.500 Euro finanzierten die Organisatoren über Spenden und Sponsorengelder. "Die Aktion führt Menschen Ungerechtigkeiten vor Augen, wirbt für das Zahlen von fairen Preisen und für die Weitergabe von Know-how", lobte der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber. Die Frühstückstafel rege an, eigene Konsumgewohnheiten zu überdenken. Weber eröffnete die Tafel mit einem Tischgebet.
Der evangelische Pfarrer Lars Dedekind hat es mit rund 180 Helfern geschafft, am 1. Juli die nach seinen Angaben bundesweit größte "faire" Frühstückstafel aufzubauen. Vor rund einem Jahr entwickelten verschiedenen Dritte-Welt-Initiativen die Idee, Bürgern so das Konzept des "fairen" Handels näherzubringen. "Und wenn wir uns schon an die Arbeit machen, können wir auch gleich richtig klotzen", sagt Organisator Dedekind und lacht.
Die Frühstückstafel rege Teilnehmer auf unkomplizierte Weise dazu an, Konsumgewohnheiten zu überdenken, erläutert Dedekind. Dafür wurden Informationsstände zu "Fair" und "Bio" aufgebaut. Spielfreudige Gäste erfahren auch in großen Brettspielen über die Ungerechtigkeiten des Welthandels. Sie versuchen etwa zu schätzen, wie viele Kilometer eine Jeans zurücklegt, bevor sie tatsächlich in einem deutschen Geschäft ankommt.
"Wenn Menschen in Erzeugerländern von ihrer Arbeit nicht leben können, ist das ein echter Skandal", sagt Claudia Damm. Die 25-Jährige ist mit einer Freundin wie viele Gäste zufällig vorbeigekommen und hat sich spontan an den Tisch gesetzt. "Wer bereits wusste, dass es solche Ungerechtigkeiten gibt, dem werden hier echte Alternativen gezeigt", lobt sie während sie auf eine Adressenliste von "fairen" Internethändlern deutet.
Sowohl das biologisch abbaubare Besteck aus Maisstärke als auch Speisen werden den Gästen vom Veranstalter gestellt. Die Kosten von rund 10.500 Euro sind komplett über Spenden und Sponsorengelder finanziert. "Von unserer Tafel sollte niemand ausgegrenzt werden, und zugleich wollten wir keine Müllberge aus Pappbechern und Tischdecken produzieren", sagt Dedekind.
Die "faire" Frühstückstafel in Braunschweig war zunächst als einmalige Aktion geplant. Inzwischen gebe es aber schon erste Überlegungen, die Aktion zu wiederholen oder gar zu einem festen Termin im Jahreskalender der Stadt zu machen, verrät der Pfarrer. Claudia Damm wäre das nur recht. "Solche kostenlosen Fair-Bio-Frühstückstafeln sollte es viel öfter geben", sagt sie und beißt herzhaft in eine Banane. (Björn Schlüter)




