Goslar (epd). Landesbischof Friedrich Weber hat sich scharf vom salafistischen Extremismus distanziert. Dieser müsse mit allen demokratischen Mitteln bekämpft werden, sagte er am 1. Juni vor der in Goslar tagenden Landessynode. Außerdem rief Weber die Kirchen zu Gesprächen mit Moscheegemeinden auf: "Natürlich gehören Muslime und damit auch deren Religion zu Deutschland." Muslime seien willkommen und selbstverständliche Mitbürger. Weber ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK).
Die entscheidende Trennlinie verläuft Weber zufolge nicht zwischen Christen und Muslimen und auch nicht zwischen Demokratie und Islam. Sie finde sich vielmehr zwischen Fundamentalismus und Toleranz und damit zwischen Gewalt und Respekt. Auch die Kirchen hätten im Lauf der Geschichte nur mühsam gelernt, wie das Christentum dem Frieden und dem allgemeinen Wohl dienen könne.
Besorgt äußerte sich der Landesbischof über eine "stark politisierte rechtsextreme Subkultur". Es gebe "No-Go-Areas", in denen Migranten sich nicht ohne Begleitung bewegen sollten. Neu sei in Niedersachsen die Unterwanderung von Jugendfeuerwehren und Sportvereinen durch Übungsleiter, die aus der rechten Szene kommen. Auch die kirchliche Jugendarbeit sollte nach Einschätzung Webers verstärkt auf diese Gefahr achten.
Außerdem forderte der Landesbischof ein "transparentes Vorgehen" bei der geplanten Rückholung der mehr als 120.000 Fässer aus dem Atommülllager Asse. "Es geht um die Bewahrung von Schaden und um größtmögliche Sicherheit", sagte Weber ebenfalls bei der Synodentagung in Goslar. Gleichzeitig begrüßte er den Besuch von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) in dem undichten und einsturzgefährdeten ehemaligen Salzbergwerk im niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel.
Abfälle zu produzieren, die über Millionen von Jahren auf Menschen und Tiere tödlich wirkten, erzeuge ein ethisches Problem ersten Ranges, unterstrich Weber. Er hatte den Nachfolger von Norbert Röttgen (CDU) bereits am Tag seiner Benennung aufgefordert, sich persönlich einen Einblick in der Asse zu verschaffen.
Der Landesbischof erinnerte daran, dass sich die braunschweigische Landessynode zuletzt im März 2010 für einen Ausstieg aus der Kernenergie zum nächstmöglichen Zeitpunkt ausgesprochen hatte. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) habe bereits 1987 die Auffassung vertreten, dass die Kernenergiegewinnung dem biblischen Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren, nicht gerecht werde.
In den vergangenen Tagen hatte ein Zeitplan für Unruhe gesorgt, der davon ausgeht, dass die Rückholung des schwach- und mittelaktiven Mülls im extremsten Fall bis zum Jahre 2036 dauern könnte. Politiker drängen darauf, durch ein Asse-Gesetz die Rückholung zu beschleunigen. Das würde allerdings bedeuten, dass die strengen Auflagen des Atomgesetzes modifiziert werden. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) sollen nun unmittelbar nach dem Besuch Altmaiers überraschend Vorarbeiten zur Bergung radioaktiver Abfälle starten.




