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16.11.2011 Kategorie: Pressestelle

Familie Nguyen darf zurückkehren

Landesbischof Weber freut sich über Initiative von Innenminister Uwe Schünemann

Hoya/Braunschweig (epd). Die bevorstehende Rückkehr der in der vergangenen Woche nach Vietnam abgeschobenen Familie Nguyen hat in der evangelischen Kirchengemeinde in Hoya bei Nienburg Freude und Erleichterung ausgelöst. "Wenn ich ein Wunder erlebt habe, dann gestern abend, als uns die Nachricht aus dem Innenministerium erreichte", sagte Gemeindepastor Andreas Ruh am 16. November. Auch der Vorsitzende des Rates der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Landesbischof Friedrich Weber, freute sich. Innenminister Uwe Schünemann (CDU) habe die umstrittene Abschiebung zu seinem Thema gemacht und wolle die Rückkehr nach Deutschland ermöglichen.

Die Abschiebung sei auch bei Landtagsabgeordneten der CDU, mit denen er gesprochen habe, auf Unverständnis gestoßen, sagte der Braunschweiger Bischof. Die Politiker hätten vor allem kritisiert, dass die Familie mit den beiden sechs und neun Jahre alten Kindern auseinandergerissen worden sei und nur die 20-jährige Tochter Ngoc Lan Nguyen habe bleiben dürfen. Für die Weiterarbeit in der Härtefallkommission forderte Weber eine Überprüfung und Korrektur der Regeln.

Schünemann (CDU) hatte am 15. November erklärt, er werde sich für die Rückkehr der Familie einsetzen, weil es ihr in Vietnam sehr schlecht gehe. Er habe über das Auswärtige Amt die Deutsche Botschaft in Hanoi ersucht, der Familie ein Visum auszustellen. Bundesinnenminister Friedrich habe er gebeten, der Familie eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen zu erteilen.

Ngoc Lan Nguyen sagte dem epd, sie sei von der Nachricht völlig überrascht worden und habe sofort ihre Eltern angerufen: "Sie konnten es zuerst gar nicht glauben. Dann haben sie Gott gedankt, dass er ihre Gebete erhört hat. Meine Geschwister haben vor Aufregung die ganze Nacht nicht geschlafen." Alle hofften, dass sie nun zu Hause in Hoya gemeinsam Weihnachten feiern könnten. Sie danke allen Menschen, die sie und ihre Familie so vehement unterstützt hätten: "Nur durch diesen Druck aus der Öffentlichkeit kommt meine Familie jetzt zurück."

Zahlreiche Christen aus der Hoyaer Kirchengemeinde hatten die Familie jahrelang in ihren Bemühungen unterstützt, ein dauerhaftes Bleiberecht zu erhalten. Vor fünf Jahren hatten sie ein Kirchenasyl für die Nguyens organisiert, die seit 19 Jahren in Deutschland leben.

Gemeindepastor Ruh sagte, die Reaktion Schünemanns sei sicher darauf zurückzuführen, dass die Unterstützer und viele Bürger in den vergangenen Tagen erheblichen Druck auf die Politik ausgeübt hätten. Der Fall bedeute nicht nur einen Schaden für die Familie, sondern auch für den Rechtsstaat.

Er hoffe, dass nun auch die vielen anderen Familien, die seit Jahren in Niedersachsen mit Kettenduldungen lebten, von dem Fall Nguyen profitierten. Es müsse für sie endlich ein humanitäres Bleiberecht geben. Der Zugang zur Härtefall-Kommission dürfe nicht durch formale Hürden behindert werden. Ruh: "Wenn Gesetze zur Verletzung von Menschenrechten führen, müssen sie geändert werden."

Der Pastor wies auch auf die Nöte der Beamten hin. Polizisten und Behördenmitarbeiter hätten nur unter schwersten Gewissenkonflikten die Abschiebung der Familie vornehmen können. "Wir kennen die Beamten hier vor Ort seit Jahren und wissen, dass sie sehr darunter gelitten haben. Da muss die Frage erlaubt sein, was der Innenminister seinen Beamten zumutet."

Abgeschobene Familie Nguyen.

Beitrag von Evangelischer Pressedienst