Wolfenbüttel (epd). Mechanische Kirchturmuhren machen die Zeitumstellung am Sonntag, 31. März, für Küster zu Muskelarbeit. Per Schraubenschlüssel müssten Teile der Mechanik gelöst werden, damit das Uhrwerk beschleunigt eine Stunde vorlaufen kann, sagte Küsterin Angelika Turk dem Evangelischen Pressedienst. Sie betreut eine wandschrankgroße Turmuhr in Ahlum bei Wolfenbüttel. Mit vollem Körpereinsatz müsse sie gegen bis zu 70 Kilogramm schwere Gewichte arbeiten, die nicht unkontrolliert zu Boden stürzen dürfen.
Schon im Alltag sei der Aufwand enorm, um Zahnräder, Pendel und Schlagwerk in Gang zu halten. Mit einer großen Handkurbel müssten die schweren Gewichte alle zwei Tage bis unter das Turmdach gehievt werden, sonst würde die Mechanik spätestens am dritten Tag stehenbleiben. Die Umstellung auf Winterzeit im Herbst sei hingegen sehr gut zu bewältigen. Dann werde die Uhr für eine Stunde angehalten und dann im richtigen Moment wieder in Gang gesetzt.
Nach und nach werden immer mehr Mechaniken durch elektronisch gesteuerte Uhren ersetzt. Moderne Funkturmuhren brauchen weniger Wartungsaufwand und gehen deutlich genauer. Die Braunschweiger Atomuhr als ihr Taktgeber unterliegt nur einer Gangabweichung von einer bis drei milliardstel Sekunden pro Tag. In vielen Kirchen steht die alte Turmuhr deshalb nur noch als Ansichtsexemplar.



