Kunst sei religiös, wenn sie dem Herrschaftsanspruch des Marktes und seinen ökonomischen Gesetzen widersprechen wolle, sagte Landesbischof Dr. Friedrich Weber bei seiner Präsentation des Kunstbuchs "Der Kreuzweg Christi" von Gerd Winner (Liebenburg) und Oberlandeskirchenrat Peter Kollmar (Wolfenbüttel) am 12. März in der Kapelle des Landeskirchenamtes in Wolfenbüttel. Kunst sei heute eng mit der Wirtschaft und ihren umsatzfördernden Marketingstrategien verbunden. Das Buch "Der Kreuzweg Christi" erfülle dagegen weder rein wirtschaftliche noch rein ästhetische Ansprüche. Die Kunst Gerd Winners, der 14 Kreuzwegstationen für die Kapelle des Landeskirchenamtes gestaltet hat, sei vom Christentum inspiriert, weil sie in der Auseinandersetzung mit dem Kreuzweg Christi Fragen der menschlichen Existenz berührt. Sie fördere so den Dialog zwischen Kunst und Theologie.
Winner stellte seine 14 Stahlreliefs, die den Kreuzweg Christi symbolisieren, als abstrakte Zeichen vor, die dem Betrachter die Möglichkeit der persönlichen Interpretation eröffnen. Auf jedem Relief finde sich in unterschiedlichen Variationen das Kreuz Jesu. Als Material habe er bewusst nicht Holz sondern Stahl gewählt. Dessen spiegelnde Wirkung lade zur persönlichen Reflexion des individuellen Lebens und der biblischen Botschaft ein, und das sich darin spiegelnde Licht vermittle eine Ahnung der Auferstehungsbotschaft. In diesem Sinne zitierte auch Landesbischof Weber den Frankfurter Jesuiten Lothar Zenetti: "Das Kreuz des Jesus Christus durchkeuzt, was ist und macht alles neu".
Oberlandeskirchenrat Kollmar betonte, dass seine ausgewählten Bibelstellen, Meditationen und Gebete, die er zu den Abbildungen des Bandes verfasst hat, Anregungen darstellen, die zum Nachdenken und Nachgehen des Kreuzgangs einladen, die persönliche Auseinandersetzung mit den Reliefs aber nicht ersetzten sollen. Deswegen seien die Abbildungen im Buch jeweils durch eine weiße Seite von den Texten getrennt. An das Ende jeder Seite habe er bewusst das Gebet um Gottes Erbarmen gesetzt, das in der katholischen Liturgie den Kreuzweg prägt, um zusammen mit dem katholischen Künstler an den gemeinsamen Herrn der christlichen Kirche zu erinnern. kn

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