Braunschweig (epd). Teile der Wände, Bänke und Fenster der Braunschweiger Michaeliskirche sind bereits mit fünf Millionen Sonderpreisetiketten in neon-rot und orange bedeckt. Die Künstlerin Kerstin Schulz (43) aus Hannover will damit vor dem "Ausverkauf" von Kirchen warnen. Das spektakuläre Projekt gehört zur Aktion "Himmelsstürmer 2011 - Kunst trifft Kirche", die vom 13. Juni bis zum 28. August in neun Braunschweiger Innenstadtkirchen geplant ist.
26 Künstler hatten sich beworben, zehn wurden ausgewählt. Sie kommen aus Braunschweig, Hannover, Bremen und Leipzig. Bereits im vergangenen Jahr hätten sich die Beteiligten mit Kirchenbesichtigungen und Vorträgen auf die Begegnung von Kunst und Kirche eingestimmt, sagte die Leiterin der Torhausgalerie des Bundes Bildender Künstler (BBK), Edith Grumbach-Raasch. Zuspitzungen und Provokationen seien dabei gewollt.
Schulz will nach eigenen Angaben eine Diskussion über den Wert von Kirche in Gang bringen. Kirchenräume hätten für sie als nicht-kommerzielle, spirituelle Räume einen unschätzbaren Wert. Konfirmanden und auch zunächst skeptische Senioren aus der Gemeinde hätten mitgetackert. Die schrille Gestaltung hat schon die Kanzel erreicht, von der Pfarrer Christoph Berger demnächst über "Gotteshaus, Kaufhaus, Räuberhöhle" predigen wird.
Neben den lutherischen Kirchen (außer dem Dom und der Brüdernkirche) sind auch die reformierte und die katholische Kirche dabei. Der in Leipzig lebende Maler und Grafiker Robert Pasitka setzt sich mit der Tradition des Bilderverbotes bei den Reformierten auseinander. Er hat für die Bartholomäuskirche ein "Textbild" gestaltet, das sich aus überlappenden Buchstaben zusammensetzt. Für die katholische Aegidien-Kirche formte Elisabeth Howey aus Kunstharz und Beton eine Skulptur, die die physikalischen Eigenschaften eines "Stehaufmännchens" haben soll.
Die offizielle Eröffnung der Ausstellung ist am Pfingstmontag, 13. Juni, um 19 Uhr im Kreuzgang, Hintern Brüdern. Dann finden zwei Führungen und zum Abschluss ein Jazzkonzert statt.




